Funkwetter

Der Funkwetterbericht vom 10.September, erstellt von Hartmut Büttig, DL1VDL

Zunächst der Rückblick vom 15. September:
Bei unverändert niedrigen Fluxwerten von 69 Einheiten und fleckenloser Sonne war die Kurzwellenausbreitung auf den Bändern über 14 MHz stark beeinträchtigt. Das geomagnetische Feld war bis zum 11. September sehr ruhig. Danach folgte eine unbestimmte Phase, in der der geomagnetische Index k zwischen Null und Drei schwankte. Die für eine 3000-km-Sprungentfernung ermittelte Grenzfrequenz der F2-Schicht erreichte meist nur 17 MHz. Das 10-m-Band war praktisch fast immer geschlossen. Das 15-m-Band brachte trotz Contestaktivität nur kurze DX-Öffnungen auf den transäquatorialen Funkwegen. Auf 20 m konnte man alle Kontinente erreichen, aber an manchen Tagen war auch dort die Ionisierung schwach. 80, 40 und 30 m profitierten vom ruhigen Erdmagnetfeld und dem geringen atmosphärischen Störpotenzial. Dort konnte man sehr laute DX-Signale hören. Das 160-m-Band öffnete täglich nach 02:00 UTC Richtung Nordamerika.

Vorhersage bis zum 22. September:
Es sind weder neue Sonnenflecken noch koronale Löcher in Sicht. Fluxwerte und geomagnetische Aktivität bleiben nahezu unverändert. Wegen der nahezu unveränderten Sonnendaten seit Beginn des 25. Zyklus im Januar 2020 ist zu befürchten, dass sich der Aufschwung des neuen Sonnenfleckenzyklus bis zum kommenden Frühjahr verzögern wird. Die DX-Bedingungen auf den Bändern unter 20 m bleiben interessant, zumal am 22. September Herbstanfang ist und beide Hemisphären gleich lang von der Sonne beschienen werden. Im Funkwetterbericht der ARRL erinnerte W3LPL daran, dass vor drei Jahren, am 6. September 2017 der stärkste Klasse-X Flare im Zyklus 24 beobachtet wurde. Er löste auf der Tagseite einen Mögel-Dellinger-Effekt von über einer Stunde aus und triggerte Auroras an den Folgetagen


Mögel-Dellinger-Effekt

Wer einen Mögel-Dellinger-Effekt das erste Mal erlebt, vermutet dass der KW-Empfänger defekt ist, oder dass die Antenne heruntergefallen ist ! Nach einigen sehr starken Flares kommt es zu einem Totalausfall aller Kurzwellen-Langstrecken-Verbindungen, der einige Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann. In der Chromosphäre der Sonne ist dieser Flare als heller Lichtausbruch erkennbar. Mit ihm ist ein sehr hohe Röntgenstrahlung verbunden. Trifft diese erhöhte Röntgenstrahlung bei der Erde ein, dann führt sie zu einer verstärkten Ionisation der niedrigen D-Schicht. Diese verstärkte Ionisation der D-Schicht bewirkt eine starke Absorption der Kurzwellen auf dem Wege zu den höheren Schichten (E, F1, F2) bis hin zur Totaldämpfung. Niedrigere Frequenzen sind davon stärker betroffen als höhere. Der Mögel-Dellinger-Effekt tritt nur bei Funkverbindungen auf, die auf der Tagseite der Erde laufen. Auf der Nachtseite tritt SWF nicht auf, da die Erde selbst den Weg der Röntgenstrahlen auf die dortige D-Schicht abschattet. Quelle: DK0WCY


 

Grayline DX

Bei Grayline DX versucht der Funkamateur, die Effekte, welche die Dämmerung auf die D und F Schichten hat, auszunutzen. Die Grayline ist die gedachte Linie zwischen Tag und Nacht auf der Erde. Wenn man zur Dämmerungszeit in die Richtung der Erde sendet, wo es momentan Nacht ist, wird das Signal an der D-Schicht so gebrochen, dass die F-Schicht das Signal nicht absorbiert, sondern reflektiert.

Die Orientierungszeiten für Grayline DX in der 37. Woche 2020

DX – QTH Sonnenaufgang UTC Sonnenuntergang UTC
Auckland/Neuseeland 18:31 06:06
Melbourne/Ostaustralien 20:30 –:–
Perth/Westaustralien 22:24 –:–
Singapur/Rep.Singapur 22:58 –:–
Tokio/Japan 20:18 –:–
Honolulu/Hawaii 16:16 04:39
Anchorage/Alaska 15:08

04:38

Johannesburg/Südafrika 04:12 15:58
San Francisco/Kalifornien 13:46 02:27
Stanley/Falklandinseln 10:16 21:33
New York/USA-Ostküste –:– 23:15
Sao Paulo/Brasilien –:– 20:58
Berlin/Deutschland 04:29 17:36
     

Funkwettervorhersage VOACAP nutzt Google Maps

Die Online-Funkwettervorhersage VOACAP http://www.voacap.com/prediction.html nutzt Google-Maps-Karten. Dies erleichtert die Eingabe des Sender- und Empfängerstandortes erheblich, da der Nutzer lediglich die Standort-Markierungen auf der Karte per Maus verschieben muss. Per Mausrad oder Tastatur kann in die Karte außerdem hinein gezoomt werden, um beispielsweise auch detailliertere Ausbreitungs-Vorhersagen innerhalb eines Landes zu erhalten. In die Berechnung können verwendete Antennentypen und Sendeleistung einbezogen werden.