Funkwetter

Der Funkwetterbericht vom 7.Juli, erstellt von Hartmut Büttig, DL1VDL

Zunächst der Rückblick vom 30.Juni bis 6. Juli:
Die Sonnenaktivität war unverändert sehr gering, was sich in den gemessenen Fluxwerten zwischen 68 und 69 Einheiten widerspiegelte. Am 4. und 5. Juli war die Region 2766 mit der magnetischen Struktur vom neuen Zyklus sichtbar. Das geomagnetische Feld war bis zum späten Abend des 4. Juli ruhig mit k-Werten zwischen Null und Zwei. Die erste Tageshälfte des 5. Julis war gestört durch intensiven Sonnenwind, der mit bis zu 504 km/s wehte. In den Ionogrammen dominierte tagsüber die sporadische E-Schicht. Morgens und abends blockierte die sporadische E-Schicht die Senkrechtlotung der höheren Ionosphärenschichten. Abends öffneten meist alle oberen Bänder, denn die für 3000 km Sprungentfernung geltende F2-Grenzfrequenz stieg manchmal über 30 MHz. Stationen aus ganz Amerika konnte man auf allen oberen Bändern kurzzeitig arbeiten. Die Dämpfung auf 20 m war tagsüber typischerweise hoch und die DX-Signale leise. Das 40-m-Band war in den kurzen Nächten in recht gutem Zustand und für DX-Verbindungen bis nach 05:00 UTC nutzbar.

Vorhersage bis zum 13. Juli:
Für die IARU-Radiosport Meisterschaft am kommenden Wochenende ist leider keine höhere Sonnenaktivität in Sicht. Wir erwarten Fluxwerte von etwa 70 Einheiten und ein ruhiges geomagnetisches Feld. Die sporadische E-Schicht begünstigt laute Short-skip-Verbindungen auf allen oberen Kurzwellenbändern. Die für 3000 km geltende F2-Grenzfrequenz hat Maxima gegen 08:30 UTC und abends nach 19:00 UTC.
Ein interessantes Video über die vergangenen zehn Jahre Sonnenaktivität hat die NASA mit dem Solar Dynamics Observatory SDO aufgenommen.


Mögel-Dellinger-Effekt

Wer einen Mögel-Dellinger-Effekt das erste Mal erlebt, vermutet dass der KW-Empfänger defekt ist, oder dass die Antenne heruntergefallen ist ! Nach einigen sehr starken Flares kommt es zu einem Totalausfall aller Kurzwellen-Langstrecken-Verbindungen, der einige Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann. In der Chromosphäre der Sonne ist dieser Flare als heller Lichtausbruch erkennbar. Mit ihm ist ein sehr hohe Röntgenstrahlung verbunden. Trifft diese erhöhte Röntgenstrahlung bei der Erde ein, dann führt sie zu einer verstärkten Ionisation der niedrigen D-Schicht. Diese verstärkte Ionisation der D-Schicht bewirkt eine starke Absorption der Kurzwellen auf dem Wege zu den höheren Schichten (E, F1, F2) bis hin zur Totaldämpfung. Niedrigere Frequenzen sind davon stärker betroffen als höhere. Der Mögel-Dellinger-Effekt tritt nur bei Funkverbindungen auf, die auf der Tagseite der Erde laufen. Auf der Nachtseite tritt SWF nicht auf, da die Erde selbst den Weg der Röntgenstrahlen auf die dortige D-Schicht abschattet. Quelle: DK0WCY


 

Grayline DX

Bei Grayline DX versucht der Funkamateur, die Effekte, welche die Dämmerung auf die D und F Schichten hat, auszunutzen. Die Grayline ist die gedachte Linie zwischen Tag und Nacht auf der Erde. Wenn man zur Dämmerungszeit in die Richtung der Erde sendet, wo es momentan Nacht ist, wird das Signal an der D-Schicht so gebrochen, dass die F-Schicht das Signal nicht absorbiert, sondern reflektiert.

Die Orientierungszeiten für Grayline DX in der 28. Woche 2020

DX – QTH Sonnenaufgang UTC Sonnenuntergang UTC
Auckland/Neuseeland 19:33 05:18
Melbourne/Ostaustralien 21:35 –:–
Perth/Westaustralien 23:16 –:–
Singapur/Rep.Singapur 23:03 –:–
Tokio/Japan 19:32 –:–
Honolulu/Hawaii 15:55 05:17
Anchorage/Alaska 12:36 07:26
Johannesburg/Südafrika 04:55 15:30
San Francisco/Kalifornien 12:56 03:34
Stanley/Falklandinseln 12:01 20:03
New York/USA-Ostküste –:– 00:32
Sao Paulo/Brasilien –:– 20:34
Berlin/Deutschland 02:54 19:28
     

Funkwettervorhersage VOACAP nutzt Google Maps

Die Online-Funkwettervorhersage VOACAP http://www.voacap.com/prediction.html nutzt Google-Maps-Karten. Dies erleichtert die Eingabe des Sender- und Empfängerstandortes erheblich, da der Nutzer lediglich die Standort-Markierungen auf der Karte per Maus verschieben muss. Per Mausrad oder Tastatur kann in die Karte außerdem hinein gezoomt werden, um beispielsweise auch detailliertere Ausbreitungs-Vorhersagen innerhalb eines Landes zu erhalten. In die Berechnung können verwendete Antennentypen und Sendeleistung einbezogen werden.