Funkwetter

Der Funkwetterbericht vom 31.März erstellt von Hartmut Büttig, DL1VDL

Zunächst der Rückblick vom 24. bis 30. März:
Ein für uns spürbarer Start in den 25. Sonnenfleckenzyklus blieb in den ersten drei Monaten des neuen Jahres aus. Auch wenn manche Sonnenflecken die magnetische Signatur des Zyklus 25 hatten, war im März nur eine Region für zwei Tage sichtbar. Der solare Flux verharrte bei etwa 70 Einheiten. Das Erdmagnetfeld war bis auf wenige Ausnahmen immer leicht gestört. Am 19., 23. und 30. März wehte der Sonnenwind mit über 500 Kilometern pro Sekunde und störte das geomagnetische Feld moderat mit k = 4. Die zunehmend längere Sonnenbestrahlung der nördlichen Hemisphäre erhöhte aber die Ionisationswahrscheinlichkeit und öffnete kurzzeitig alle oberen Kurzwellenbänder. Ab und zu bildete sich auch die sporadische E-Schicht aus. Die für eine Sprungentfernung von 3000 km ermittelten Grenzfrequenzen der F2-Schicht erreichten nachts knapp 10 MHz, tagsüber etwa 18 MHz. Wenn das Erdmagnetfeld dann gerade ruhig war, gelangen auch kurzzeitig Verbindungen auf 21 MHz mit Japan oder Nordamerika. Funkwege nach Afrika und Südamerika waren bis 28 MHz noch offen, als es bei uns bereits dunkel war. Die Bänder unter 20 m waren bei ungestörter Atmosphäre in gutem Zustand. Man konnte wieder alle Kontinente erreichen.

Vorhersage bis zum 7. April:
Die Sonnenaktivität bleibt weiterhin sehr niedrig. Am nordöstlichen Sonnenrand erscheint ein neuer Sonnenfleck [5]. Der solare Flux erreicht knapp 70 Einheiten. Ab dem 4. April befindet sich das koronale Loch CH 957 in einer geoeffektiven Position. Wir erwarten ein zwischen ruhig und aktiv wechselndes geomagnetisches Feld. Die DX-Bedingungen auf den Bändern unter 20 m sind an den meisten Tagen während der Dämmerungszeiten gut. Bis etwa 05:00 UTC sind bei ruhiger Geomagnetik zwischen 80 und 30 m Stationen der US-Westküste erreichbar. Das 20-m-Band öffnet mit Sonnenaufgang nach VK über den langen Weg und nach Asien. Die höheren Bänder benötigen für ausreichende Ionisierung ein paar Stunden Sonnenlicht und öffnen etwas später.


Mögel-Dellinger-Effekt

Wer einen Mögel-Dellinger-Effekt das erste Mal erlebt, vermutet dass der KW-Empfänger defekt ist, oder dass die Antenne heruntergefallen ist ! Nach einigen sehr starken Flares kommt es zu einem Totalausfall aller Kurzwellen-Langstrecken-Verbindungen, der einige Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann. In der Chromosphäre der Sonne ist dieser Flare als heller Lichtausbruch erkennbar. Mit ihm ist ein sehr hohe Röntgenstrahlung verbunden. Trifft diese erhöhte Röntgenstrahlung bei der Erde ein, dann führt sie zu einer verstärkten Ionisation der niedrigen D-Schicht. Diese verstärkte Ionisation der D-Schicht bewirkt eine starke Absorption der Kurzwellen auf dem Wege zu den höheren Schichten (E, F1, F2) bis hin zur Totaldämpfung. Niedrigere Frequenzen sind davon stärker betroffen als höhere. Der Mögel-Dellinger-Effekt tritt nur bei Funkverbindungen auf, die auf der Tagseite der Erde laufen. Auf der Nachtseite tritt SWF nicht auf, da die Erde selbst den Weg der Röntgenstrahlen auf die dortige D-Schicht abschattet. Quelle: DK0WCY


 

Grayline DX

Bei Grayline DX versucht der Funkamateur, die Effekte, welche die Dämmerung auf die D und F Schichten hat, auszunutzen. Die Grayline ist die gedachte Linie zwischen Tag und Nacht auf der Erde. Wenn man zur Dämmerungszeit in die Richtung der Erde sendet, wo es momentan Nacht ist, wird das Signal an der D-Schicht so gebrochen, dass die F-Schicht das Signal nicht absorbiert, sondern reflektiert.

Die Orientierungszeiten für Grayline DX in der 14. Woche 2020

DX – QTH Sonnenaufgang UTC Sonnenuntergang UTC
Auckland/Neuseeland 18:33 06:15
Melbourne/Ostaustralien 20:33 –:–
Perth/Westaustralien 22:27 –:–
Singapur/Rep.Singapur 23:05 –:–
Tokio/Japan 20:28 –:–
Honolulu/Hawaii 16:24 04:46
Anchorage/Alaska 15:20 04:42
Johannesburg/Südafrika 04:16 16:06
San Francisco/Kalifornien 13:55 02:33
Stanley/Falklandinseln 10:18 21:42
New York/USA-Ostküste –:– 23:20
Sao Paulo/Brasilien –:– 21:05
Berlin/Deutschland 04:41 17:40
     

Funkwettervorhersage VOACAP nutzt Google Maps

Die Online-Funkwettervorhersage VOACAP http://www.voacap.com/prediction.html nutzt Google-Maps-Karten. Dies erleichtert die Eingabe des Sender- und Empfängerstandortes erheblich, da der Nutzer lediglich die Standort-Markierungen auf der Karte per Maus verschieben muss. Per Mausrad oder Tastatur kann in die Karte außerdem hinein gezoomt werden, um beispielsweise auch detailliertere Ausbreitungs-Vorhersagen innerhalb eines Landes zu erhalten. In die Berechnung können verwendete Antennentypen und Sendeleistung einbezogen werden.